Welche Hormone reagieren auf welchen Musikstil?

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Foto: stock.adobe.com@kieferpix

Musik ist so unendlich viel mehr als nur die Aneinanderreihung von Tönen, die am Ende eine schöne Melodie ergeben. Musik regt das Gehirn an, sie ist wie Balsam für die Seele und sie kann unsere psychische und teilweise auch unsere physische Verfassung beeinflussen. Musik kann traurig machen, glücklich, fröhlich, aber auch mutig und entschlossen. Sie kann die Leistungsfähigkeit in bestimmten Situationen fördern und kann den Menschen aber auch träge und müde machen.

Das alles sind Reaktionen unseres Körpers und/oder unseres Geistes auf Musik. Doch wie genau kommt es zu diesen Reaktionen? Was genau macht Musik mit unserem Körper und wieso sollte man darüber zumindest ein Stück weit Bescheid wissen? Diese und verschiedene andere Fragen werden wir im folgenden Artikel beantworten.

Was macht Musik mit dem menschlichen Körper?

Der menschliche Körper reagiert spür- und messbar auf Musik. So kann Musik zu einer Veränderung des Herzschlages und des Blutdrucks führen. Besonders schnelle, harte und wilde Musik beispielsweise kann beides erhöhen. Reine Entspannungsmusik hingegen beides erheblich und spürbar senken. Auch die Atemfrequenz passt sich oftmals dem Rhythmus der gehörten Musik an.

Ein weiterer wichtiger und oft auf den ersten Blick unbemerkter Faktor ist die Muskelspannung im Körper. Auch diese kann durch die Musik, die wir hören, stark beeinflusst werden. So fördert aggressive und laute Musik Verspannungen der Muskulatur erheblich, während ruhige und eher sanfte Musik merklich zur Entspannung von Körper und Geist beitragen kann.

Auch der menschliche Hormonhaushalt wird von der gehörten Musik beeinflusst – teilweise mit Auswirkungen auf Bereiche wie das Schmerzempfinden. Interessanterweise beeinflusst Musik damit eine ganze Reihe von Reaktionen im Gehirn und im Körper an sich und kann so erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben – aber eben auch vorhandene Aggressionen, Depressionen und Ängste schüren.

Musik und unser Gehirn

Musik ist für das Gehirn eine der kompliziertesten Übungen überhaupt. Das ist einer der Gründe dafür, warum Musik allgemeinhin als Jungbrunnen für das Gehirn bezeichnet wird und das Musik gern als Förderinstrument für Kinder und Jugendliche genutzt wird. Denn das Gehirn nimmt Töne erst einmal nur als Schwingungen in der Luft am Ohr wahr und muss nun die Inhalte dieser Schwingungen verarbeiten.

Dabei vergleicht das Gehirn innerhalb von hundertstel Sekunden Töne und Melodien mit gespeicherten Daten im Erinnerungsbereich und fügt diese schließlich zusammen. Nur so können wir überhaupt erkennen, dass es sich um eine Melodie und nicht nur um eine wilde Aneinanderreihung schiefer Töne handelt. Neben dem Inhalt, den Musik so zu bieten hat in Form von:

erkennt das Gehirn auch die Schallquelle und den Ort, von dem die Musik kommt. So können wir beispielsweise am Klang erkennen, ob es sich um eine Trompete oder ein Klavier handelt – auch diese Information wird wiederum aus dem Erinnerungsbereich des Gehirns abgerufen. Je mehr Instrumente in einer Melodie gemeinsam spielen, desto aufwendiger wird das „zuhören“ für unser Gehirn – letztlich ist der Konsum von Musik für das menschliche Gehirn eine echte Höchstleistung. Einer der Gründe, weshalb Musik gerade in der Therapie älterer Menschen eine wichtige Rolle spielt, denn regelmäßiger Musikkonsum lässt die geistigen Fähigkeiten von Menschen nachweislich steigen.

Smiling african-american woman in earbuds listening music on smartphone over light background, copy space

Foto: stock.adobe.com@Prostock-studio

Übrigens

Wie stark der musikalische Einfluss auf den Menschen an sich und auf unser Gehirn im Speziellen ist, zeigt ein direkter Vergleich zwischen dem Gehirn eines Musikers und dem eines Menschen, der nur sehr selten Musik hört. Die Areale, die mit der Koordination der Hände mit dem Gehör zu tun haben, sind bei einem Berufsmusiker ebenso stärker ausgeprägt wie die Bereiche, die für die Analyse gehörter Dinge zuständig sind. Dadurch wird auch analytisches Denken nachhaltig gefördert. Das Spannende dabei: Verknüpfungen im Gehirn, die einmal durch das regelmäßige Hören oder durch das Spielen von Musikinstrumenten geschaffen wurden, bleiben Ihnen ein Leben lang erhalten.

Warum Musikunterricht in der Schule so wichtig ist

An den meisten Schulen in Deutschland ist Musik kein Hauptfach – anders als Deutsch, Englisch oder Mathematik. Dennoch gibt es Studien, die nahelegen, dass Musik ein Fach ist, dass vor allem die sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen erheblich steigern kann. So wurden beispielsweise Langzeitstudien an mehreren Berliner Grundschulen durchgeführt. Diese zeigten, dass sich die soziale Kompetenz von Kindern, die an der Studie beteiligt waren und mehr Musikunterricht in der Schule hatten, deutlich gesteigert war, im Vergleich zu Kindern mit weniger Musikunterricht.

Das Klima an den Schulen war nicht nur ruhiger und aggressionsfreier – es gab auch deutlich weniger Schüler, die das Gefühl hatten, von einem oder mehreren Mitschülern abgelehnt zu werden. Dafür gibt es eine relativ einfache Erklärung: Das Ohr jedes Einzelnen für seinen Mitmenschen wird geschärft. Denn gemeinsames Musizieren funktioniert nur, wenn jeder auch auf den Ton des anderen hört.

Das gleiche gilt für ein gutes Miteinander – nur wenn man jeweils auf „den Ton“ oder die Stimmung des anderen hört und bei Bedarf auch mal entsprechend reagiert, kann ein erfolgreiches und vor allem respektvolles Miteinander funktionieren. Kinder, die in einem Orchester spielen und lernen, genau auf die Töne anderer zu achten, hören auch aus den Stimmen anderer eher mal negative Schwingungen heraus und können ganz gezielt auf diese eingehen.

Little children near chalkboard at music school

Foto: stock.adobe.com@Pixel-Shot

Dieser Hormoncocktail wird bei Musik im Körper generiert

Musik fördert auch die Ausschüttung von Hormonen im Körper. So wird bei aggressiver und schneller Musik beispielsweise das Hormon Adrenalin ausgeschüttet. Bei sanften und eher ruhigen Klängen hingegen ist es das Hormon Noradrenalin. Das wiederum reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen und kann zu einer stärkeren Konzentration von Betaendorphinen im Blut führen. Genau diese sind aber unter anderem für die Schmerzkontrolle im Körper verantwortlich.

So kann Musik tatsächlich durch zusätzliches Adrenalin die Leistungsfähigkeit steigern – ein Umstand, den sich Sportler beim Training oft zunutze machen, wenn sie dann schnelle und teilweise auch aggressive Musik hören, um den Körper dazu zu bekommen, über die Grenzen hinaus zu gehen. Sie kann aber auch dazu führen, dass man in einer angespannten Situation herunterkommt und Schmerzen einfach abflauen bzw. besser werden. Das wiederum ist ein Grund dafür, dass Musik auch in der Schmerztherapie immer mal wieder zum Einsatz kommt.

Welche Musik hat von den Hormonen her die positivste Auswirkung?

Das liegt an verschiedenen Faktoren. Zum einen natürlich am eigenen Geschmack. Musik, die uns gefällt, hat in der Regel eine positive Auswirkung auf unseren Körper und Geist. Generell lässt sich aber auch sagen, dass die Frage nach der besten Musikwahl auch abhängig davon ist, was Sie gerade tun möchten. Wenn Sie planen zu entspannen, ist eine adrenalintreibende Musikauswahl eher der falsche Ansatz. Gleiches gilt allerdings auch für sehr ruhige Musik, wenn Sie gerade planen, an Ihr absolutes Leistungsmaximum beim Laufen heranzukommen.

Fazit: Musik fördert und entspannt – sie kann aber auch das Gegenteil bewirken

Musik fördert die Verknüpfung von Gehirnarealen. Das Gute daran: Die einmal geschlossenen Verknüpfungen bleiben auch dann noch bestehen, wenn Sie schon seit einer ganzen Weile keine Musik mehr gehört haben. Insofern spielt Musik eine wichtige Rolle bei der Förderung von Kleinkindern und jungen Menschen.

Ruhige Töne sind zusätzlich in der Lage zu entspannen und dabei zu helfen, den Tag und all das erlebte zu verarbeiten. Eher wilde, aggressive und schnelle Töne haben aber trotzdem ihre Daseinsberechtigung. Sie erhöhen den Herzschlag und sorgen so dafür, dass mehr Sauerstoff im Körper verteilt wird, was wiederum die Leistungsfähigkeit des ganzen Körpers erhöht. So sind nach oder während dem Hören der richtigen Musik auch neue sportliche Bestleistungen möglich.

 

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