Im Interview mit Ash von Boston Manor am 28.06.2018 im Hafenklang, Hamburg

Wieder einmal ging es lautstark zu im Goldenen Salon des Hafenklangs. Nicht unweit der Elbe sorgten die fünf Jungs von Boston Manor am Donnerstagabend für tobende Stimmung, unterstützt durch die Hamburger Modern Vision. Vor dem Konzert durften wir uns auf ein paar Worte mit Ash Wilson treffen – Phuong Ly Dao hat mit ihm über das neue Album, Taylor Swift und Gigs in Deutschland gesprochen.

Boston Manor, Hafenklang Hamburg. Foto: Phuong Ly Dao

musikiathek: Zu allererst einmal vielen Dank, dass ihr in Hamburg vorbeikommt. Es ist so schön euch hier zu haben und wir sind alle super aufgeregt wegen dem Gig heute Abend! Auffällig ist, dass fast eure gesamte Europe Summer Tour in Deutschland stattfindet – ihr wart ja u.a. bereits in Koblenz und Freiburg, richtig?

Ash: Ja, bisher waren wir in Koblenz, Freiburg, Oberhausen und Hamburg.

musikiathek: Es scheint euch hier wohl zu gefallen – was ist so besonders an Deutschland?

Ash: Ich persönlich mag Deutschland sehr. Es ist wie eine zweite Heimat für uns, wir haben viele Freunde hier und jedes Mal, wenn wir hier spielen, kommen die Leute und haben eine gute Zeit. Das ist eine der Hauptgründe warum wir nach Deutschland kommen, würde ich sagen. Vor allem da wir jetzt wissen, wie schön der Sommer hier ist, werde ich erst recht öfter hier sein. Ich würde gerne nach Deutschland ziehen, wenn ich könnte!

musikiathek: Ach wirklich?

Ash: Ja, ich versuche auch ein wenig Deutsch zu lernen.

musikiathek: Es ist eine schwere Sprache.

Ash: Ja – (auf Deutsch) „Mein Deutsch ist nicht so gut.“

musikiathek: Oh wow, das klingt aber wirklich gut!

Ash: (auf Deutsch) „Dankeschön!“

musikiathek: Denkst du also, die deutschen Fans sind sehr leidenschaftlich?

Ash: Ja, ich denke schon. Ich glaube wir sind eine recht neue Band, d.h. wir haben bereits eine kleine Fangemeinde, die definitiv am Wachsen ist. Hoffentlich werden wir einigermaßen viele Fans hier haben, das wäre schön.

musikiathek: Apropos eure Fans: Wir sind alle schon sehr gespannt auf euer neues Album, welches im September erscheint.

Ash: Am 7. September, ja.

musikiathek: Welcome to the Neighbourhood heißt das gute Stück. Wenn ich mich richtig erinnere, habt ihr Jungs uns vor einigen Tagen auf Twitter verraten, dass das Album ein guter Soundtrack wäre für den Film …

Ash: Die Matrix!

musikiathek: Ja genau! Was genau wollt ihr uns damit sagen?

Ash: Ich will nichts ruinieren, aber ich denke einfach, der Film ist sehr cool und sehr 90’s und irgendwie düster, coole Vibes also. Das ist so ungefähr das Feeling der Platte, also … Ich will nicht zu viel verraten, sonst bekommen die Leute eine falsche Vorstellung davon.

musikiathek: Zugegeben, wir warten ja auf Spoiler.

Ash: (Lacht) Ja, wir wollen nicht zu viel verraten. Wir wollen nur sagen „Hey, hier ist es. Macht daraus, was ihr wollt.“

musikiathek: Ihr habt uns aber mit der Veröffentlichung von Halo und dem neuen Video bereits ein wenig verraten.

Ash: Ein wenig, ja. Uns wurde vor kurzem die Frage gestellt: „Denkt ihr Halo spiegelt wieder, wie sich das Album anhört?“, und ich denke nicht, dass es das tut.

musikiathek: Du denkst es nicht?

Ash: Nein, ich denke nämlich, dass das Album viel mehr zu bieten hat und ich glaube, die Leute werden überrascht sein über die restlichen Songs. Halo ist nur ein kleiner Vorgeschmack, damit die Hörer sich denken können: „Oh, das ist anders!“. Ich glaube sogar, es wird noch viel mehr vom Altbekannten abweichen als die Leute denken.

musikiathek: Wenn man sich Halo anhört möge man meinen, dass ihr euch von Pop Punk hin in Richtung Alternative bewegt.

Ash: Ja, genau das ist der Punkt. Trotzdem hoffen wir, dass sich Pop Punk Fans, wenn unser Album da ist, denken werden: „Oh ja, wir mögen die Jungs immer noch!“.

musikiathek: Gab es spezifische Gründe für diese Entwicklung, diesen Stilwechsel?

Ash: Ich denke einfach, dass wir uns als Band musikalisch extrem schnell und sehr stark weiterentwickelt haben. Als Fünf-Mann-Band vor allem hören wir jedes Jahr so viel unterschiedliche Musik – ich zum Beispiel höre viel Hip Hop, aber auch viel Industrial wie Nine Inch Nails oder Ministry. Und dann haben wir andere in der Band die viel Pop-Musik hören, wie Taylor Swift und solche Sachen.

musikiathek: Schön – jeder liebt Taylor Swift!

Ash: (Lacht) -Ja, jeder liebt Taylor Swift!- Wir haben also eine Menge Dinge, die uns beeinflussen. Ich vermute das ist der Grund, warum wir uns einige Schritte vom reinen Pop Punk entfernt haben – aber wenn Leute uns immer noch zum Pop Punk zählen ist das auch okay! Mich stört das nicht.

musikiathek: Das ist ganz schön cool, denn ich habe das Gefühl, jede eurer Veröffentlichungen hört sich anders an, und ihr hattet eine pro Jahr, richtig?

Ash: Richtig. Ich glaube, wenn man das nicht macht und keine Musik veröffentlicht, die jedes Mal unterschiedlich ist, bleibt man sehr festgefahren und die einzige Fanbase, die man hat, bleibt lediglich bei denjenigen, die diese spezifische Musikrichtung mögen. Ich meine, wenn jedes einzelne Album gleich ist – wo willst du damit hin? Wir können uns so sehr verändern, und bei uns läuft es dann so „Ah, wir können dies zum Sound hinzufügen, oder doch das“. Wir können entweder diesen oder jenen Weg gehen, das erweitert unsere Möglichkeiten umso mehr.

musikiathek: Wie war denn dann der Songwriting Prozess für diese Platte? War er anders als zuvor?

Ash: Nicht so sehr, ehrlich gesagt. Es dauert wirklich immer eine Weile bei uns, wir haben so viele verschiedene Ideen und davon nehmen wir uns Bruchstücke, und dann ist das eher so ein „Oh, dieser Teil ist cool, vielleicht können wir das in dem Part des anderen Songs verwenden“. Wir haben viel Zeit benötigt und auch viele Songs verworfen. Nichtsdestotrotz sind wir alle unglaublich glücklich mit den finalen Songs, die wir haben. Auch haben wir uns nicht wie andere Künstler zuerst auf ein spezifisches Genre festgelegt, sondern wir dachten uns lediglich: „Hey, das ist ein guter Song, lasst uns den auf das Album tun.“ Sie mögen nicht gleich klingen, aber sie funktionieren als ein Ganzes. Ungefähr so fühlen wir uns damit.

Welcome To The Neighbourhood – VÖ 07.09.2018

musikiathek: Und ihr habt auch bereits das Cover und die Tracklist von Welcome to the Neighbourhood preisgegeben. Das Cover zeigt ja einen Tatort …

Ash: Ach…wirklich? (zweifelnder Blick)

musikiathek: Oh wow, ein Plot Twist?

Ash: Ich meine, ich weiß nicht – könnte sein!

musikiathek: Denn die Tracklist enthält ja Songs wie Funeral Party oder The Day That I Ruined Your Life – das ist ganz schön düster, oder?

Ash: Es ist definitiv eine sehr, sehr düstere Platte. Ich will nicht zu viel verraten! Ich bin einfach nur aufgeregt sie zu veröffentlichen, ich meine wir spielen diese Songs schon eine ganze Weile. Ich will endlich den Rest der Songs spielen. Wir werden sehen!

musikiathek: Ihr wollt uns also noch drei Monate auf die Folter spannen?

Ash: Ich denke schon, ja. Zugegeben, es ist eine lange Zeit. Jeden Tag spielen wir die neuen Tracks an und denken uns nur „Wir hören uns so gut an, wir können es kaum erwarten, das live zu spielen!“. Aber das können wir offensichtlich nicht, es ist ja noch nicht an der Zeit – aber bald, bald!

musikiathek: Also ist der Plan, nach Hamburg zurück zu kehren, um die neuen Songs zu spielen?

Ash: Ja, ich glaube wir werden schon sehr bald wieder hier sein – ich weiß, dass wir bald wieder hier sein werden. Definitiv im Laufe des nächsten Jahres. Wir werden nach Hamburg, Köln und Berlin kommen – auf jeden Fall wieder viel Deutschland, was gut ist!

musikiathek: Das klingt ganz schön gut! Jedoch scheint die Tracklist und alles drumherum sehr melancholisch, wenn nicht sogar pessimistisch zu sein. Ich habe ein Interview von Henry mit Rocksound gelesen, in dem er erläutert, dass ihr Jungs mit dem Album auf die wichtigen Probleme aufmerksam machen wollt, die die Welt zurzeit bewegen. Ist denn auch ein wenig Hoffnung in eurem Album?

Ash: Ich bin mir nicht sicher, ich weiß nicht wie ich darauf antworten soll. (Lacht) Darf ich die Frage überspringen?

musikiathek: Hm, du kannst es versuchen?

Ash: Ich weiß nicht so recht wie ich es ausdrücken soll. Sagen wir einfach, es ist ein kleines bisschen Hoffnung da.

musikiathek: So, fünf Prozent vielleicht?

Ash: (Lacht) Fünf Prozent Hoffnung, 95 Prozent Pessimismus.

musikiathek: Also ich sehe, du willst wirklich nicht zu viel über das Album verraten.

Ash: Wir mögen es, uns nicht in die Karten schauen zu lassen, falls du den Ausdruck kennst. Wir wollen nicht zu früh zu viel verraten.

musikiathek: Schade, ich hatte noch eine Frage zu einem spezifischen Song.


Ash: Na klar, frag ruhig!

musikiathek: Ich habe mir nämlich die Tracklist angesehen und ein Titel ist mir besonders aufgefallen. Nach etwas Recherche bin ich nicht ganz so schlau daraus geworden, denn mit Medizinstudenten oder dem Finanzmarkt hat das sicher nichts zu tun…

Ash: Um welchen Song geht es denn?

musikiathek: FY1? Wofür steht das denn? (Lacht) Oder ist es etwas, was Deutsche nicht verstehen?

Ash: (Lacht) Ach, FY1 ist nur die Postleitzahl von Blackpool, also der Stadt, in der wir leben.

musikiathek: Oh, wirklich? Unsere Postleitzahlen haben keine Buchstaben.

Ash: Ja, in Amerika ist es auch nicht so, aber dort, wo wir herkommen, bestehen Postleitzahlen immer aus zwei Buchstaben und einer Zahl. Meine Adresse wäre dann so etwas wie FY5 4DY. Überall in der UK ist das so, also ist es lediglich eine Referenz zu unserer Heimat.

musikiathek: Habt ihr also noch eine enge Verbindung zu eurer Heimat?

Ash: Vielleicht, ich will nicht wieder zu viel verraten.

musikiathek: Na gut, das ist in Ordnung. Wir sind auch so bereits alle gespannt auf das Album – drei Monate sind sehr lang! Aber ich denke, das waren meine Fragen – vielen Dank für das Interview! Wir sehen uns bei der Show!

Ash: Danke, wir sehen uns bei der Show!

Interview: Phuong Ly Dao

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